Historisches Lederzeug lagern und pflegen
Pistolentaschen, Patronentaschen, Säbelscheiden, Koppelzeug etc. Historisches Lederzeug ist oft sehr alt und empfindlich. Dieser Artikel zeigt, wie man es richtig pflegt und lagert, damit es noch lange erhalten bleibt.
Was ist historisches Lederzeug?
Als historisches Lederzeug bezeichnet man Lederausrüstungen, die im Zusammenhang mit historischen Waffen und Militärausrüstungen stehen, hauptsächlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Typische Stücke sind:
- Pistolentaschen und Holster → Behältnisse für Faustfeuerwaffen, oft aus mehrlagigem, genähtem Rindsleder
- Patronentaschen → Behältnisse für Munition, häufig mit Messingbeschlägen und Nieten
- Säbelscheiden → Lederbezogene Scheiden mit Metall- oder Lederwicklung
- Bajonettscheiden → Scheiden für Blankwaffen, oft einfacher gearbeitet
- Koppelzeug → Gurte, Träger, Riemen und Verbindungsstücke des Tragesystems
- Feldflaschenhüllen, Tornister, Kartuschboxen
- Weitere Ausrüstungsteile aus Leder
Diese Objekte bestehen in der Regel aus pflanzlich gegerbtem Rindsleder, einer alten, robusten Gerbmethode, die aber bei falscher Pflege auf bestimmte Substanzen sehr empfindlich reagiert. Das Leder ist häufig 100 bis 200 Jahre alt, ausgetrocknet, brüchig und farblich verändert.
Was schadet altem Leder?
Trockenheit
Altes Leder verliert durch Trockenheit das in den Fasern gebundene Wasser, es wird spröde, rissig und schrumpft. Diesen Schaden kann man nicht mehr oder nur mit erheblichem Aufwand teilweise beheben.
→ Leder niemals unter 35% Luftfeuchtigkeit lagern.
Schimmel
Zu hohe Luftfeuchtigkeit über 70% führt zur Schimmelbildung. Der Schimmel zerstört die Lederfasern, weil er sich von den Proteinen und Fettsäuren ernährt. Pflanzliche und tierische Fette die in den meisten handelsüblichen Pflegemitteln enthalten sind, werden dabei zu Nährböden. Zusätzlich zerstört die sogenannte Hydrolyse (die Zerstörung der Fasermoleküle durch Reaktion mit Wasser) die Lederstruktur langfristig.
→ Luftfeuchtigkeit von 45–65% ist ideal. Luftig lagern, nie in Tüten oder geschlossenen Behältern.
Licht und Wärme
Extreme Licht- und Temperatureinflüsse beschleunigen den Abbauprozess spürbar.
→ Bei Raumtemperaturen von 18–20°C lagern und vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.
Mechanische Beanspruchung
Was alten Menschen schadet, schadet auch altem Leder. Nicht zu stark biegen und nicht überbeanspruchen. Nicht falten, nicht knicken.
Schmutz und Pflegemangel
Verunreinigungen sind Herde für Oxidation und schädigen das Leder. Pflegemangel beschleunigt den Abbauprozess.
→ Reinigung nur wenn tatsächlich Verschmutzungen vorliegen. Regelmässige, aber sparsame Pflege verlängert die Lebensdauer.
Wie behandeln?
HINWEIS:
Alle Anwendungen und Produkte immer zuerst an einer Teilfläche testen. Sehr alte Leder sind teilweise nicht sachgerecht gegerbt worden. Ungewünschte Veränderungen lassen sich nicht immer ausschliessen.
Reinigen
Alte Fette und fettigen Schmutz mit dem Leder Reinigungsbenzin leicht mehrmals abwischen. Keine wässrigen Reiniger verwenden, Wasser kann alte Leder irreversibel schädigen.
Neutralisieren und Stabilisieren
Wo Handschweiss oder falsche Pflegemittel (zum Beispiel Sattelseife) das Leder verfärbt oder ausgetrocknet haben:
Vorsichtig mit einer Lösung aus 2 Teilen Wasser und 1 Teil Essig-Essenz (25%ige Lösung, in der Drogerie erhältlich) neutralisieren. Nicht durchnässen, sondern nur mit leicht angefeuchtetem Lappen abreiben und wiederholen. Bei starkem Schimmelbefall kann auch ein Verhältnis 1:1 (Wasser zu Essig-Essenz) eingesetzt werden.
ACHTUNG Rotfäule:
Ist das Leder puderig, schwammig oder rötlich geworden, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein irreparabler Schaden vor; die sogenannte «Rotfäule». Diese entstand durch die Verwendung von Schwefelsäure und instabilen Gerbstoffen bei der Lederherstellung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Neben einheimischen Gerbstoffen aus Eiche, Birke oder Kastanie wurden damals billigere Holzgerbstoffe aus den Kolonien (Mimose, Quebracho) eingesetzt. Neue synthetische Farbstoffe benötigten Säuren zur Fixierung und diese haben sich langfristig negativ auf die Beständigkeit der Gerbstoffe ausgewirkt. Rotfäule lässt sich nicht beheben.
Konservieren der Narbenseite (Aussenseite)
Das Leder auf der Narbenseite (Aussenseite) mit dem Colourlock Elephant Leather Preserver behandeln, es ist säurefrei und synthetisch, ideal für alte Leder. Nur dünn auftragen, einziehen lassen und mit Wolllappen polieren.
→ Nie die Innenseite mit reinem Fett versiegeln, das hat keine Tiefenwirkung. An sehr unzugänglichen Stellen, besonders in den Nahtbereichen, kann zusätzlich mit einem feinen Pinsel der Colourlock Old Leather Softener aufgetragen werden, auch die früher verwendeten Leinenfäden sind ausgetrocknet und versprödet.
→ Pflanzliche und tierische Fette aus Reitsportpflegemitteln, Sattelseife und handelsüblichen Cremes schaden alten Ledern, auch wenn sie für neue Leder gleicher Art geeignet sind.
Oberfläche verschönern
Kleine Risse und Abschürfungen können nach dem Entfetten mit dem Colourlock Leather Glue (Link zum Produkt) geschlossen werden.
→ Keine Sekunden- oder Schnellkleber verwenden denn sie zerstören das Leder. Farbanpassungen, Spachtelarbeiten und Wachsveredlung erfordern spezielle Kenntnisse und Erfahrung. Kontaktieren Sie uns lieber bei Unsicherheiten.
Lagerung
Das Lederzeug in wohltemperierten Räumen (18–20°C) mit geringer Sonneneinstrahlung und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 45% und 65% lagern. Sehr trockene Leder vertragen kurzzeitig (4–5 Wochen) eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 70%.
Kontrolle und Wartung
Wenn das Lederzeug in gutem Zustand ist, reicht eine jährliche Kontrolle. Es tut dem Leder gut, es mit der Wasser-Essig-Lösung leicht abzuwischen und ganz dünn nachzufetten. Bei Schimmelbefall die oben beschriebene Prozedur intensiv wiederholen.
Produktempfehlungen
Hinweis:
(Produkte werden durch Anklicken in den Warenkorb übernommen und können dann bestellt werden)
- Leder Reinigungsbenzin
- Elephant Leather Preserver
- Old Leather Softener
- Leather Glue
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