Lederarten und Begriffe – ein kleines Lexikon

Nappaleder, Velours, Anilinleder, Sämischleder, wer Lederbekleidung kauft oder pflegt, begegnet vielen Begriffen, die kaum erklärt werden. Dieser Artikel gibt einen kompakten Überblick über die wichtigsten Grundbegriffe.

Grundbegriffe

Die Narbenseite bezeichnet die zur Haarseite gerichtete glatte, genarbte Oberfläche des Leders. Die Fleischseite ist die raue Rückseite. Dicke Leder wie Rindsleder werden horizontal in mehrere Schichten gespalten: Das Oberleder heisst dann Narbenspalt, das Unterleder Fleischspalt. Das weniger stabile Fleischspalt wird in der Regel als Spaltleder bezeichnet.

Fell: Lederhändler verwenden den Begriff für alle Häute von mittelgrossen Tieren wie Kälber, Schafe oder Ziegen. Als Fellbekleidung bezeichnet man Bekleidung, bei der das Haar noch auf dem Leder ist.

Haut: Begriff für die Haut grosser Tiere wie Rinder, Büffel oder Schweine.

Rohhaut ist die abgezogene Schlachthaut ohne Behandlung. Als Leder bezeichnet man das fertige Produkt der Gerberei. Als Leder dürfen nur verarbeitete Häute bezeichnet werden, die nicht aufgelöst, gemahlen und mit Bindemitteln zu Bahnen verarbeitet wurden. Wurde eine Schichtstärke von über 0,15 mm aufgetragen, muss das Material als beschichtetes Leder deklariert werden. Überschreitet die Beschichtung ein Drittel der Gesamtdicke, darf es gar nicht mehr als Leder bezeichnet werden.

Lederarten

Glattleder bezeichnet alle Lederarten, deren Narbenseite nach aussen verarbeitet ist, unabhängig von der Stärke der natürlichen Narbung. Kalbsleder haben eine sehr flache Narbung, Krokodilleder eine sehr starke. Beides ist Glattleder.

Nappaleder ist eine Allgemeinbezeichnung für ungeschliffenes Glattleder mit der Narbenseite nach aussen. Ursprünglich bezeichnete der Begriff butterweiches Handschuhleder, heute wird er als Synonym für Glattleder verwendet.

Anilinleder sind offenporige Glattleder ohne Pigmentschicht. Ein Wassertropfen, der auf der Oberfläche verrieben wird, zieht ins Leder ein und dunkelt es kurz. Anilinleder ist empfindlicher als pigmentiertes Leder, es zeigt Feuchtigkeit sofort.

Rauleder ist die Sammelbezeichnung für Leder mit aufgerauter Oberfläche. Nubuk und Velours sind die bekanntesten Formen.

Nubukleder ist ein narbenseitig angeschliffenes Glattleder. Durch das Schleifen entsteht eine samtige, kurzhaarige Oberfläche. Nubuk wird hauptsächlich aus Rind hergestellt.

Veloursleder ist die Rückseite eines Glattleders oder beide Seiten eines Fleischspaltes. Suede ist eine andere Bezeichnung dafür.

Pelzvelours ist ein aussen geschliffenes Schaf- oder Lammfell, bei dem die Wollseite innen verarbeitet ist.

Sämischleder entsteht durch Gerbung mit Tran oder Fischöl. Es ist als Fensterleder oder Trachtenleder bekannt. Bei Trachtenledern wird das gelbliche Leder in der Regel mit einer grünlichen oder bräunlichen Oberflächenfärbung versehen.

Wildleder ist die Sammelbezeichnung für Leder von Tieren der freien Wildbahn wie Hirsche, Rehe, Elche. Der Begriff wird aber auch häufig als Synonym für Rauleder verwendet.

Leder-Textil-Mix bezeichnet Bekleidung, bei der auf der Aussenseite Leder mit Stoff kombiniert wird.

Kunstleder wird auf Etiketten als «Kunstleder», «Skai», «Pelliccia artificiale» oder «Piel artificial» bezeichnet, häufig auch als «Polyamid» oder «Polyester». Kunstfelle erscheinen als «Artificial fur» oder «Fourrure artificielle».

Gerbarten

Die wichtigsten Gerbarten sind die Chromgerbung (fast alle Bekleidungsleder und Schuhoberleder), die Pflanzengerbung (Gürtel, Sohlenleder, Reitleder), die synthetische Gerbung und die Trangerbung (Fensterleder, Trachtenleder). Häufig werden Gerbarten kombiniert.

Durchgefärbte Leder werden nach der Gerbung in einem Anilinfarbbad eingefärbt, der Farbstoff geht durch und durch. Bunte Rauleder und offenporige Glattleder sind immer so gefärbt.

Viele Glattleder erhalten zusätzlich eine deckende Farbschicht auf Pigment- und Bindemittelbasis, die sogenannte Kopffärbung, Zurichtung oder Pigmentierung. Diese macht das Leder strapazierfähiger und fleckenunempfindlicher. Motorradleder, viele Freizeitjacken, Schuhe und Taschen haben diese Schicht.

Darüber kommt der Top Coat, eine Art Klarlack, der die Farbschicht vor Abrieb und Abfärbung schützt und den Glanzgrad bestimmt.

Tierarten bei Lederbekleidung

Die häufigsten Tierarten sind Rind, Lamm, Ziege und Schwein, alles Tiere, die primär zur Fleischgewinnung gezüchtet werden.

Rindsleder ist schwerer und dicker, aber sehr robust. Typisch für Motorradkombis und Schutzbekleidung.

Lammleder wird in der Regel als weiches Glattleder für Freizeitjacken, Röcke oder Lederhosen verarbeitet.

Ziegenleder wird häufig als Ziegenvelours für Jacken, Röcke oder Hosen verwendet.

Schweinsleder findet sich vor allem bei preiswerter Bekleidung, meist als Rauleder. Es ist in der Regel weniger stabil und weich als Ziegen- oder Lammleder.

Praktischer Schnelltest: Anilinleder oder pigmentiert?

Einen kleinen Wassertropfen auf einer verdeckten Stelle verreiben: Zieht er ein und dunkelt das Leder kurz? Anilinleder oder offenporiges Leder ist empfindlicher, braucht schonende Produkte. Perlt er ab? Pigmentiertes Leder ist robuster, verträgt normale Reiniger.

Bei konkreten Pflegeproblemen helfen vielleicht unsere weiteren Anleitungen oder Sie kontaktieren uns direkt. Wir beraten kostenlos.